Medikamentengestützte Behandlung (MAT)
Die medikamentengestützte Behandlung kombiniert klinisch erprobte Medikamente mit Psychotherapie und ist derzeit eines der wirksamsten umfassenden Behandlungsprogramme für Alkoholabhängigkeit.
Was ist eine medikamentengestützte Behandlung?
MAT bedeutet nicht, „ein Medikament durch ein anderes zu ersetzen". Vielmehr werden Medikamente eingesetzt, um das durch Alkohol gestörte chemische Gleichgewicht im Gehirn wiederherzustellen, Entzugssymptome und das Verlangen nach Alkohol zu reduzieren und es den Patienten zu ermöglichen, besser an Psychotherapie und Rehabilitationsmaßnahmen teilzunehmen. Die medikamentöse Behandlung muss mit einer Psychotherapie kombiniert werden, um ihre volle Wirkung zu entfalten.
Medikamente in der Entzugsphase
Benzodiazepine
Repräsentative Medikamente: Diazepam (Valium), Clonazepam, Lorazepam
Wirkmechanismus: Wirken auf dieselben GABA-Rezeptoren wie Alkohol, können die hemmende Wirkung von Alkohol sicher ersetzen und eine übermäßige Erregung des Nervensystems verhindern
Verwendung: Kontrolle von Entzugssymptomen, Vorbeugung von Krampfanfällen und Delirium tremens
Hinweis: Nur kurzfristig in der Entzugsphase anwenden; aufgrund des eigenen Suchtpotenzials nicht für die Langzeittherapie geeignet
Medikamente zur Erhaltungstherapie
Naltrexon
Wirkung: Blockiert Opioidrezeptoren im Gehirn und reduziert das durch Alkohol vermittelte Lustgefühl
Effekt: Verringert die Trinkmotivation und das Verlangen
Anwendung: Täglich oral oder einmal monatlich als Injektion (Langzeitpräparat Vivitrol)
Geeignet für: Langfristige Erhaltungstherapie nach abgeschlossenem Entzug
Acamprosat
Wirkung: Reguliert das Gleichgewicht von Glutamat- und GABA-Systemen im Gehirn
Effekt: Reduziert Unwohlsein und Verlangen nach Alkohol nach der Abstinenz
Anwendung: Dreimal täglich oral
Geeignet für: Patienten, die den Entzug abgeschlossen haben und abstinent bleiben möchten
Disulfiram
Wirkung: Hemmt die Aldehyddehydrogenase, sodass sich bei Alkoholkonsum Acetaldehyd ansammelt und Unwohlsein verursacht
Effekt: Nach Alkoholkonsum treten Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Herzklopfen und andere aversive Reaktionen auf
Anwendung: Täglich oral
Geeignet für: Patienten mit starkem Wunsch nach Abstinenz, die eine äußere Kontrolle benötigen
Begleitmedikamente
- Vitamin B1 (Thiamin): Zur Vorbeugung und Behandlung der Wernicke-Enzephalopathie; wird bei allen Patienten ab der Aufnahme ergänzt
- Folsäure und Multivitamine: Zur Korrektur von Nährstoffmängeln durch langjährigen Alkoholkonsum
- Gabapentin: Zur unterstützenden Kontrolle von Angst und Schlaflosigkeit sowie zur Linderung von Entzugsbeschwerden
- Antidepressiva/Angstlöser: Zur Behandlung komorbider psychischer Probleme (Beurteilung erst nach stabiler Abstinenz)
⚠ Wichtiger Hinweis
- Alle Medikamente müssen unter Anleitung eines Facharztes eingenommen werden; niemals eigenmächtig kaufen oder die Dosis anpassen
- Die medikamentöse Behandlung ersetzt keine Psychotherapie; beide müssen kombiniert werden
- Während der Medikation sind regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion und anderer Werte erforderlich
- Bei Auftreten von Nebenwirkungen informieren Sie bitte umgehend Ihren behandelnden Arzt