
Der Autor erklärte sich Vorfälle unter Alkoholeinfluss, angespannte Beziehungen und berufliche Beeinträchtigungen lange Zeit mit „Beim nächsten Mal trinke ich einfach etwas weniger.“ Was ihn wirklich zum Aufhören brachte, war, dass sein Körper begann, ihn auf immer deutlichere Weise zu warnen: Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Schwitzen und zitternde Hände waren keine Ausnahmen mehr.
Als er zum ersten Mal ernsthaft versuchte, mit dem Trinken aufzuhören, glaubte er immer noch, dass er es durch bloßes Durchbeißen schaffen würde. Doch das Unwohlsein übertraf schnell seine Erwartungen; Angst, Übelkeit und Schlaflosigkeit trieben ihn zurück zum Trinken. Nach dem Scheitern wollte er seine Familie umso weniger davon wissen lassen.
Dieses Verheimlichen machte das Problem noch schwerer zu bewältigen. Tagsüber musste er Normalität vortäuschen, nachts ließ er sich von Trinken und Unwohlsein leiten; je mehr er den Verlust von Arbeit und Beziehungen fürchtete, desto mehr wollte er die Gefühle mit Alkohol niederdrücken.
Später schrieb er die zuvor aufgetretenen Situationen zeitlich auf: die Häufigkeit des Trinkens, die Reaktionen nach dem Aufhören, die Momente mit dem höchsten Rückfallrisiko und wovor er am meisten Angst hatte, es zu verlieren. Dieser Prozess ließ ihn zum ersten Mal erkennen, dass das Problem nicht mehr mit einem bloßen Versprechen zu lösen war.
Als er erneut Hilfe suchte, verlangte er nicht mehr von sich, sofort „völlig normal“ zu sein, sondern kümmerte sich zuerst um Sicherheit und einen geregelten Alltag. Auch seine Familie fragte nicht mehr nur „Warum trinkst du schon wieder?“, sondern besprach mit ihm gemeinsam, wann es nötig ist, Hilfe zu kontaktieren und wie man vermeiden kann, alles allein durchzustehen.
Diese Erfahrung beschreibt die Hilfesuche nicht als Abkürzung. Sie zeigt lediglich: Wenn die Willenskraft nicht mehr ausreicht, bleibt die Bereitschaft, neu zu bewerten, Risiken anzuerkennen und Unterstützung anzunehmen, weiterhin ein wählbarer nächster Schritt.
Zuerst etwas über Entzugssicherheit erfahren
Wenn deutliche Entzugsbeschwerden auftreten, sollte das Durchbeißen nicht als einzige Option betrachtet werden.